Die Teddybärenbotschaft

Eine wahrlich wahre Liebesgeschichte

 

Die Stimmung am Allschwiler Ängelimärt war zauberhaft. Unzählige Weihnachtslichter erhellten die Marktgässchen, es duftete nach frischem Gebäck und Glühwein und von weitem waren weihnachtliche Klänge einer Drehorgel zu hören. In den Gassen tummelten sich die Leute und viele kleine Englein zogen von Verkaufsstand zu Verkaufsstand um die dargebotenen Süssigkeiten einzusammeln.

 

Vor unserem Stand posierte ein hübsches Englein mit leuchtenden Flügeln gemeinsam mit unserem Teddybären Mischa vor Mami‘s Handykamera und ein Pärchen kaufte gerade Weihnachtsplätzchen und zwei Stück Linzertorte für auf den Weg. Hinter den beiden lugten zwei Buben hervor und tuschelten hastig miteinander. Was denn der Teddy kosten würde, wollte schliesslich der grössere der beiden wissen und zeigte auf den Korb voller Plüschteddybären. Der andere stiess ihn leicht gegen die Rippen und machte einen peinlich berührten Eindruck. Der Teddy sei für seine Schwester, erklärte er hastig und schaute beschämt zu Boden.

„Du hast gar keine Schwester!“, rief da der Grössere, worauf der Kleinere auf dem Absatz Kehrt machte und ihn mit sich mitzog. Weg waren die beiden. 

Wir schmunzelten belustigt und widmeten uns wieder unserem Weihnachtsgeschäft.

 

Kurze Zeit später standen die Buben wieder da. Der Kleinere hielt uns Geld hin und meinte, er wolle den Teddy gerne kaufen. Ob wir denn bitte Stift und Papier für ihn hätten, fragte er ausserdem. Nach kurzem Überlegen konnten wir ihm aber nicht mehr als einen Pappteller von unseren Kuchen anbieten. Der Bub nahm ihn und den Edding, den ich ihm hinhielt dennoch dankend an und verschwand mit seinem Kumpel wieder in der Menge. Nach Kurzem brachte er uns den Stift zurück und bedankte sich. Ich ging um den Tisch zu ihm nach vorne und drückte ihm eine kleine Gschenktüte in die Hände. „Das sind 15 Minuten Weihnachten in der Tüte.“, erklärte ich ihm „Da sind eine Kerze, Tee, Schokolade und eine Weihnachtsgeschichte drin. Schenk das zusammen mit deinem Teddy dem Mädchen, für das du den Brief geschrieben hast. Halte an deinem Mut fest, sie wird sich sicher freuen.“ Ich drückte kurz seinem Arm, er bedankte sich mit leuchtenden Augen und ich wünschte ihm ganz viel Glück für sein Vorhaben. Zu unsere grossen Überraschung warfen die beiden beim Weggehen grinsend noch einige Münzen in unsere Spendenbüchse und dann waren sie auch schon verschwunden.

Wir alle waren ganz gerührt von der Geschichte, fühlten mit dem Buben mit, wie er nun mit klopfendem Herzen auf dem Weg zu seiner Auserwählten war und schwelgten in unseren eigenen Erinnerungen an längst vergangene Tage.

Der restliche Abend verlief genauso perfekt wie er begonnen hatte. Wir verkauften Plätzchen und Kuchen und die Spendenkasse klimperte. Ab und zu musste ich wieder an den Buben denken und mir wurde ganz warm ums Herz. 

     

Kurz vor Feierabend tauchten die Beiden wie aus dem Nichts erneut auf und stellten uns grinsend eine Tüte mit fünf Dosen Cola auf den Tisch. Eine für jeden von uns. Wir waren ganz gerüht und bedankten uns im Chor. Ich rief den Kleineren zu mir und erkundigte mich wie es denn mit dem Mädchen gelaufen sei. Sie sei leider nicht zu Hause gewesen, erklärte er, darum habe er den Teddy mit der Geschenktüte und seiner Pappteller-Botschaft in ihren Briefkasten gelegt.

„Hab Vertrauen,“ sagte ich „Teddybären verstehen sich in Herzensangelegenheiten. Und wir drücken dir alle ganz fest die Daumen!“ Damit öffneten wir zischend unsere Coladosen und prosteten den Buben zu. „Auf euch!“, riefen wir. „Frohe Weihnachten!“

Rund um uns herum wurden bereits Lichter gelöscht und Verkaufsstände abgebaut. Nur wir fünf standen noch hinter unserem Plätzchenstand, tranken unser Cola und genossen die letzten Minuten, bevor auch wir zusammenpackten. 

 

Und irgendwo in einem Allschwiler Briefkasten sass ein Teddy mit einer grossen Botschaft und wartete auf seinen Einsatz.

 

(c) Nathalie Ulrich, Dezember 2018